Antrag: Trinkwasser für Reppenstedt

Dieser Tage startet der “Pumpversuch” der Apollinaris Brands in Reppenstedt. Das zum Coca Cola-Konzern gehörende Unternehmen soll so untersuchen, ob die Förderung von jährlich bis zu 350.000 Kubikmetern Grundwasser messbare Auswirkungen auf den natürlichen Wasserhaushalt hat. Dass der Gemeinderat seine Zustimmung stets verweigert hatte, hat leider keinen Einfluss auf das Geschehen; der Landkreis kann und wird uns überstimmen.

Unabhängig vom Ergebnis des Versuchs halten die Grünen Gellersen das Geschäftsmodell “Grundwasser auf Plastikflaschen ziehen und im LKW quer durch die Republik zu karren” für verantwortungslos. Rein betriebswirtschaftlich betrachtet, ist das Konzept aber unbestritten erfolgreich. Warum ist das so? Warum kaufen Menschen Wasser zu überhöhten Preisen in Plastikflaschen zum Wegwerfen?

Einer der Gründe ist sicherlich die geringe Verfügbarkeit verlässlich sauberen Trinkwassers im öffentlichen Raum. Es ist in Deutschland oft überraschend schwierig, seine Trinkflasche unterwegs aufzufüllen. Nicht in jedem Café erntet man mit dem Wunsch nach Leitungswasser Begeisterung, öffentliche Toiletten sind nicht selten kostenpflichtig und selten sauber, und wer auf Blubberwasser steht, ist meist eh’ auf Flaschenware angewiesen.

Das ist nicht überall auf der Welt so: Im Mittelmeerraum steht grundsätzlich eine Karaffe Wasser auf dem Restauranttisch, in China gibt es in jedem Bahnhof oder Flughafen hygienische Zapfsäulen für kaltes, heißes oder auch gesprudeltes Wasser, und wer in Frankreich in Rennradmontur ein Café betritt, bekommt zu den nachgefüllten Flaschen meist noch einen roten Teppich ausgerollt.

Den Teppich können wir weglassen, aber öffentliche Trinkwasserzapfstellen im Gemeindegebiet halten wir für sinnvoll. Wir haben daher bereits im August beantragt, solche Zapfstellen in Reppenstedt zu errichten. Das allein wird den dritten Vio-Brunnen in Reppenstedt kaum verhindern, aber es ist ein erster Schritt, den Flaschenwahnsinn überflüssig zu machen, und wir hier vor Ort haben allen Grund, ihn zu gehen. Voraussichtlich am 11. Februar wird der Antrag im Bau-, Umwelt- und Verkehsausschuss auf der Tagesordnung stehen.

Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN: Öffentliches Trinkwasser in Reppenstedt

Ratsinfo der Gemeinde Reppenstedt: Sitzung des Bauausschusses am 11. Februar

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2 Kommentare

  1. Es gibt einige Bereiche in Deutschland, wo das Trinkwasser einen sehr hohen Härtegrad hat. Dort schmeckt das Trinkwasser schlecht und eignet sich zur Zubereitung verschiedener Lebensmittel auch nicht gut. Dort hat Trinkwasser in Flaschen durchaus seine Berechtigung.
    Noch eine Bemerkung: Die Ipponenten gegen das Vorgehen von Coca Cola sollten mal in ihre Speisekammer gucken, wie viel Flaschen an Bier, Säften aus Konzentrat und Softdrinks dort stehen. All diese Getränke werden unter Verwendung von „unserem“, nämlich deren Trinkwasser aus Brunnen der jeweiligen Produktionsstandorte hergestellt und zum Verbraucher gekarrt. Haben die Menschen dort nicht den selben Anspruch auf ihr Wasser wie hier bei uns? Und wenn nicht, kann es dann letztlich überhaupt noch eine Getränkeindustrie geben, wenn man es zu Ende denkt??

  2. Die Trinkwasserqualität in Deutschland gilt als hervorragend. Gebiete mit sensorisch mangelhaftem oder zu hartem (auch zu weichem) Wasser gibt es in der Tat, aber nur sehr wenige. In diesen wenigen Fällen kann eine zusätzliche Wasseraufbereitung notwendig sein (Quelle: UBA).
    Der Gesamtabsatz an Mineral-, Tafel- und Heilwässern lag 2020 bei etwa 13,6 Mrd. Litern (Quelle: Informationszentrale Deutsches Mineralwasser). Das sind eine Menge Flaschen, aber in der Tat nicht einmal ganz die Hälfte der für Getränke in Deutschland insgesamt eingesetzten. Aber warum sollte es schlecht sein, die einzusparen? Wenn wir dann noch konsequent auf Mehrweg setzten, wären wir ein großes Stück weiter.