Zukunftswerkstatt

Dass Politik und Verwaltung Bürgerinnen und Bürger auch zwischen den Wahlen nach ihrer Meinung fragen, ist Ziel grüner Politik seit den Anfängen der Partei. Dass wir Gellerserinnen und Gellerser künftig mehr Informationen über die Politik vor Ort bekommen und mehr Einfluss darauf nehmen können, war unser Anspruch bei der Kommunalwahl 2011. Auf Samtgemeindeebene hat die rot-grüne Mehrheitsgruppe zügig eine Öffnung des bisher exklusiv nur der Politik zugänglichen Ratsinformationssystems durchgesetzt.

Plakat Arbeit und Wirtschaft

Die Werbetrommel wurde unter anderem duch solche großformatigen Plakate in Reppenstedt gerührt

Zukunftswerkstatt Reppenstedt – Handlungsfelder auf einen Blick In Reppenstedt hat die Gruppe Grün-Rot eine neue Form der Bürgerbeteiligung intiiert und in 2013 eine Zukunftswerkstatt durchführen lassen, deren Ergebnisse ab 2014 in konkrete Politik münden. Zu den Hintergründen dieser modernen Methode politischer Beteiligung haben wir hier ein paar Informationen und weiterführende Links zusammengetragen.

 

Was ist das überhaupt?

„Das Verfahren der Zukunftswerkstatt geht auf den Wissenschaftsjournalisten und Zukunftsforscher Robert Jungk zurück (vgl. Jungk & Müller 2000). Die Methode wird durch die in Salzburg ansässige Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen (eine 1985 gegründete Stiftung) weiterentwickelt und angeboten.

Zukunftswerkstätten finden nahezu ausschließlich im deutschsprachigen Raum statt, insbesondere in Österreich. In Deutschland existiert mit dem Zukunftswerkstätten-Netz ein privater, nicht-kommerzieller Versuch der Vernetzung von Moderatorinnen und Moderatoren von Zukunftswerkstätten.

Das Verfahren beruht auf den Prinzipien Freiwilligkeit, Kreativität, Ergebnisoffenheit und Selbststeuerung und strebt eine Freisetzung verschütteter kreativer Potenziale Einzelner oder von Gruppen an. Insofern ist es anwendbar für viele Bereiche, Themen und Fragestellungen. Eine Zukunftswerkstatt dauert zwei bis drei Tage und setzt sich in der Regel aus drei Phasen zusammen:

1. In der Kritikphase werden anhand der Erfahrungen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer mittels Brainstorming bestehende Mängel Beschreibung gängiger Verfahren und Methoden der Präsenzbeteiligung konstatiert, auf Karten festgehalten und zusammen oder in Kleingruppen systematisiert.
2. In der Phantasiephase werden, ohne auf Zwänge der Realität (insbesondere finanzielle Restriktionen) zu achten, spielerisch Lösungsansätze für das betreffende Problem entworfen.
3. Die Realisierungsphase dient dem Versuch, die besten Ansätze der Phantasiephase zu realisieren: Erdachtes wird präzisiert, die Beteiligten übernehmen persönlich Verantwortung für einzelne Lösungsstrategien und suchen nach Bündnispartnerinnen und -partnern für deren Umsetzung.“

(aus: Nanz, Patrizia/Fritsche, Miriam: Handbuch Bürgerbeteiligung,
Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2012
)

Wie läuft das in Reppenstedt?

Plakat Wohnen und Verkehr

Die Werbetrommel wurde unter anderem duch solche großformatigen Plakate in Reppenstedt gerührt

Auch wenn die Initiative von der grün-roten Mehrheit im Gemeinderat ausging, haben sich doch alle im Rat vertretenen Fraktionen an der konkreten Ausgestaltung der Reppenstedter Zukunftswerkstatt beteiligt. Die Durchführung sollte erfahrenen ModeratorInnen übertragen werden, die bereits über Erfahrungen mit der Methode verfügen. Dazu wurden verschiedene Anbieter eingeladen, die ihre Konzepte präsentierten.

Überzeugen konnte schließlich auf die NSI Consult GmbH aus Braunschweig, die im Sommer zunächst eine Befragung durchführte. An zahlreichen öffentlichen Orten lagen Fragebögen aus und konnten auch von der Webseite der Gemeinde heruntergeladen werden. Gleichzeit wurden Bürgerinnen und Bürger auch direkt angesprochen und im Dialog befragt. Insgesamt 480 Fragebögen wurden abgegeben und ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im September öffentlich präsentiert.

In drei thematisch gewichteten Workshops wurden in Oktober und November 2013 die eigentlichen Zukunftswerkstätten in der Aula der Grundschule durchgeführt. „Arbeit und Wirtschaft“ war die Überschrift der ersten mit gut 40 TeilnehmerInnen. Es folgte „Bauen und Verkehr“, die mit über 70 TeilnehmerInnen erwartungsgemäß am besten besucht war. Das Thema „Freizeit“ lockte zwar nur gut 30 ReppenstedterInnen an, die aber dafür mit viel Engagement und Kreativität zahlreiche Ideen entwickelten.

NSI - ZW Repp. Handlungsfelder

Handlungsfelder aus der Zukunftswerkstatt (bitte klicken, um die Handlungsfelder als PDF anzuzeigen) Grafik und PDF: NSI Consult GmbH, Braunschweig

Die Handlungsfelder wurden von NSI Consult aufbereitet und dem Rat im Dezember zusammenfassend vorgestellt. Im Zentrum sahen die Moderatoren, wie auch die Ratsmitglieder die Idee eines zentralen „Bürgererlebnisortes“ (s. Grafik rechts), um die sie die Ergebnisse herumgruppierten.

Im Januar werden sich die Fraktionen verständigen, welche Maßnahmen nun wann und wie umgesetzt werden können. Die grün-rote Mehrheit hat den anderen angeboten, das gemeinsam und einvernehmlich zu beraten.

 

Workshop ÖPNV

Zur Verbesserung der ÖPNV-Anbindung, also im wesentlichen des Busverkehrs, hat der Gemeinderat eine Analyse beim renommierten Verkehrsexperten Prof. Peter Pez in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse sollen im Juni 2015 in einem weiteren Workshop der Reppenstedter Zukunftswerkstatt vorgestellt und diskutiert werden. Diese Veranstaltung ist eine Konkretisierung dieses Themenbereiches aus dem Verkehrsworkshop im November 2013, der etwa für den Radverkehr und in Sachen Verkehrsberuhigung in Wohngebieten schon konkrete Ergebnisse gebracht hat.

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