K(l)eine Elbphilharmonie in Westergellersen ?

Die Tagesordnung der zweiten Sitzung des Gemeinderates Westergellersen war lang. Und auch Anja Lavička und Oliver Kraemer, unsere neu in den Westergellerser Rat eingezogenen Grünen, hatten dazu eine ganze Menge vorbereitet.

Nachdem noch vom alten Rat der Kauf der im Jahr 1850 gebauten Lehmstampfscheune beschlossen worden war und nun die ersten Kostenschätzungen für den Umbau und die Sanierung des Objektes vorlagen, stand in der letzte Ratssitzung die Zustimmung für die Vergabe des Architektenauftrags und damit weiterer Planungsschritte an.

Das Objekt Lehmstampfscheune Westergellersen soll nach komplettem Umbau als Kulturscheune für Vereine sowie für private Kulturprojekte genutzt werden. Nicht alle Dokumente und Informationen zu dem Vorhaben hatten die Grünen trotz mehrmaliger Anfrage von der Gemeinde bekommen, und doch reichten die vorliegenden Informationen für einige Bedenken, die Oliver Kraemer klar benannte :

„Mit den bereits angesetzten Umbau – und Sanierungskosten von gut 250.000.- € und dem Kaufpreis von 130.000.- €, stehen schon heute knapp 400.000.- € an Investitionskosten für dieses Objekt auf der Kostenseite. Auch wenn der Kauf der Immobilie schon im zurückliegenden Haushalt finanziert wurde und damit nicht mehr den aktuellen Haushalt belastet: Es ist und bleibt ein Ausgabeposten. Und selbst durch den immer wieder genannten Förderbetrag über das LEADER Programm und vielleicht andere kleine Fördermittel wird das ganze Vorhaben nicht viel positiver“, meint Oliver Kraemer.

„Uns scheint das Projekt etwas schöngerechnet, da wesentliche Positionen in den Planungen fehlen. Neben einer neuen Dämmung des Daches sowie dem Austausch auf zeitgemäße Isolierfenster, sind weitere ganz wesentliche Gewerke, wie z.B. die kompletten Außenanlagen einschl. der Zuwegung, die Fassadensanierung oder die ges. Inneneinrichtung incl. der erforderlichen Konferenztechnik nicht in der Kalkulation berücksichtigt. Besonders irritiert sind wir, dass ein Teil des Gebäudes nicht mit einem festen, isolierten Boden ausgestattet und an die zentrale Heizungsanlage angeschlossen werden soll. Dies schränkt die ganzjährige Nutzung des Gebäudes erheblich ein. Hier könnten dann ggf. zu späterem Zeitpunkt weitere, nicht unwesentliche Kosten auf die Bürgerinnen und Bürger zukommen“, so Oliver Kraemer.

Anja Lavička hat weitere Bedenken und sieht, neben allen nicht berücksichtigen Kosten, das Nutzungskonzept nicht hinreichend geplant: „Sicher war es richtig, die Gelegenheit zu nutzen und die Lehmscheune zu erwerben. Als Kulturdenkmal befindet sich die Lehmscheune an exponierter Stelle an der Hauptstraße und hält ausreichend Raum für verschiedene Nutzungsmöglichkeiten vor. Endlich ein Begegnungsraum für Westergellersen, das ist der Stern, unter dem das Projekt steht.

Nun sollte das helle Licht des Sterns jedoch nicht so sehr blenden, dass Gemeinderat und Bürger die auf sie zukommenden Kosten bei Sanierung, Ausbau, Möblierung und Betrieb nicht mehr genau sehen können. Hier reicht es nicht, dass der beauftragte Architekt bereits ähnliche Objekte bearbeitet hat und daher genug Erfahrung mitbringt.

Zwar wurde Interesse an der Nutzung der Scheune durch leider bisher wenige angemeldet, doch fehlen weiterhin umrissenere Vorstellungen was und in welchem zeitlichen Umfang dort stattfinden soll. U.a. hängt davon auch ab, welche Ausstattung für die Scheune zu erwerben ist, angefangen vom Bodenbelag bis hin zur Beleuchtung. Es ist dem Projekt zu wünschen, dass es genügend Interessenten gibt, die auch die Kapazität haben, die Lehmscheune mit Leben zu füllen!“

Beide Grüne Geminderatsmitglieder enthielten sich daher in der Abstimmung zum Architektenauftrag.

Wir Grüne Westergellersen unterstützen generell das Projekt der Kulturscheune und finden es gut, wenn weitere Räumlichkeiten in Westergellersen für unsere Vereine und die Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden. Ein historisches Gebäude für das Ortsbild zu erhalten und für solch ein Projekt zu nutzten, finden wir durchaus sympathisch.

Wir wollen aber, gerade bei einer so sanierungsbedürftigen Bestandsimmobilie, eine vernünftige, weitsichtige Planung, in der man alle Kosten, auch die späteren Unterhaltungskosten berücksichtigt. Den Bürgerinnen und Bürgern muss dann offen und ehrlich gesagt werden, was da finanziell auf sie zukommt.

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